Zukunft deutscher und internationaler Hotelfachschulen

Abschlüsse, Voraussetzungen, Studiengänge und mehr ...

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Glen
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Beitragvon Glen » Mi Mai 21, 2008 12:27

Patrick, deinen Worten ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Deinen Beitrag kann ich voll und ganz unterschreiben.

In jeder x-beliebigen Branche, in jedem Unternehmen, ja in jeder Abteilung läuft es so wie du es beschrieben hast und angesichts steigender Hochschulabsolventenzahlen gibt es wirklich keinen Grund, warum die Hospitalitybranche (Management!) langfristig die letzte verbleibende "Bastion" für Nicht-Akademiker darstellen soll. Das mag heute, insbesondere in Deutschland, noch so sein, aber in 5, 10 oder 20 Jahren wird sich dies grundlegend geändert haben.

Man wird immer zuerst den auswaehlen, der das meiste Fachwissen mitbringt.
Um das für diejenigen zu erläutern, die sich noch nicht damit (Hochschulstudium) auseinandergesetzt haben:
Je nach Land/Kultur und/oder Personaler ist das Fachwissen, welches man sich durch ein Studium aneignet, nur von sekundärer Bedeutung (abgesehen natürlich von technisch-naturwissenschaftlichen Sachen wie z.B. Maschinenbau). Das vermittelte Fachwissen ist gerade in "weichen" Disziplinen wie Management oder Sales äußerst schwammig und meist sehr theoretisch-realitätsfern.
Doch was ist von primärer Bedeutung? Ganz einfach, Personaler unterstellen Hochschulabsolventen gemeinhin ein gewisses Maß an strategisch-analytischem Denkvermögen, die Fähigkeit, sich selbständig und auf hohem Niveau mit komplizierten und abstrakten Sachverhalten auseinanderzusetzen sowie natürlich eine gewisse "Grundintelligenz", die einfach notwendig ist, um ein Studium zu schaffen.

Neben dem erlangten Fachwissen ist es eigentlich das, was ein Hochschulstudium auszeichnet! Nicht ohne Grund ist es in den USA nicht ungewöhnlich, dass ein Philosophie-Absolvent in einer Unternehmensberatung arbeitet (obwohl er ja am Tag seiner Einstellung keinen blassen Schimmer von BWL hat).

aber realistisch gesehen kommt irgendwann der Punkt den man als "Glass-ceiling" bezeichnet!
Glass ceiling kann man auch so beschreiben, dass man an einer Glaswand steht, sich die Nase plattdrückt, sich anstrengt wie ein Irrer, aber trotzdem einfach nicht durch die Glaswand durchkommt. Die Gründe, warum dies Nicht-Akademikern irgendwann mal passieren kann, habe ich weiter oben versucht zu erläutern.


Zusätzlich sollte man sich noch einen typischen Personalbeschaffungsprozess (ob extern, also am Arbeitsmarkt, oder intern, d.h. im Unternehmen, spielt hierbei keine Rolle!) anschauen:

Zuallererst definiert man die (Mindest-)Anforderungen einer zu besetzenden Stelle! Das ist die Basis eines jeden Personalbeschaffungsprozesses! Und wenn die HR-Abteilung dabei festlegt, dass der Bewerber einen Hochschulabschluß vorweisen muß, ja dann ist das halt so und all diejenigen, die keinen Hochschulabschluß, haben, haben Pech gehabt!

Genau deshalb "mußte" Alex eine Hotelfachschule besuchen, weil er sonst den Anfordungen eines Management-Trainee-Programmes nicht gerecht geworden und "durchs Raster" gefallen wäre.


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Beitragvon Glen » Mi Mai 21, 2008 12:53

@ Tobli

Dass (Hoch-)Schulnoten kein Indikator für einen späteren, beruflichen Erfolg sind, ist selbstverständlich richtig. Ich habe nie das Gegenteil behauptet.

Abschlüsse und Titel sind jedoch ein absolut entscheidender Indikator für den beruflichen Erfolg. Ich behaupte nicht, dass das gut ist. Ich sage nur, dass es so ist!


Deine Abrenzung von DL-Sektor und produzierendem Gewerbe ist natürlich richtig. Das ist aber in dem Sinne off-topic, als dass es meine Behauptung nicht widerlegt, wonach im Dienstleistungsgewerbe wie in der produzierenden Industrie Hochschulabsolventen benötigt werden und nicht einfach "nur" reine "Handwerker".

Die Bildung allein ist für mich also keine zwingende Voraussetzung für einen "guten" oder "schlechten" MA und sagt auch im Vorfeld nur bedingt etwas über die Karrierechancen des Menschen aus. (Ehrlich gesagt erschreckken mich die Meinungen zu diesem Thema (s.o.) etwas.)
Brauchst dich nicht zu erschrecken :wink: Ich habe nur beschrieben und nicht bewertet.
Weder der Schulabschluß, noch ein Studium garantieren für ausreichende Fähigkeiten.
Das ist in jeder Branche so.
Ich muß dich nicht darüber aufklären, was mit den Bewerbungsunterlagen eines durchschnittlichen FH-Absolventen passiert, der sich bei McKinsey bewirbt?

Rein statistisch betrachtet erhöht ein Hochschulabschluß die Karrieremöglichkeiten ungemein. Umgekehrt erschwert ein fehlender Hochschulabschluß den Karriereverlauf, d.h. man muß mehr und länger ackern um nach oben zu kommen. Das ist einfach so!

Ich behaupte nicht, dass "Karriere machen" für Hochschulabsolventen zum Selbstläufer wird. Im Gegenteil! Aber ein Hochschulabschluß erhöht die Karrierechancen signifikant und nachhaltig.

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Beitragvon Patrick333 » Mi Mai 21, 2008 12:55

@ Tobli
Ich behaupte nicht, dass "Karriere machen" für Hochschulabsolventen zum Selbstläufer wird. Im Gegenteil! Aber ein Hochschulabschluß erhöht die Karrierechancen signifikant und nachhaltig.
Genau so ist es! Mit heisst nicht gleich Garantie auf Superjob, aber ohne heisst in den meisten Faellen, bis hier und nicht weiter!
Disclaimer: Alle meine posts enthalten meine eigene Meinung und representieren nicht zwingend die Standpunkte oder Meinungen von Hotel.

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Beitragvon Alex » Mi Mai 21, 2008 23:33

Oha, was für Beiträge. Da wird es schwierig auf Alles zu antworten. Deshalb nur kurz meine Hauptkritikpunkte:

Ich finde, glen und Patrick, Ihr seht das Bild etwas zu einseitig.
Erstmal gehe ich konform mit tobli: Man kann Industrieprodukte nicht mit den "Produkten" der Hotellerie vergleichen. Eben aus den von ihm genannten Gründen. In bezug darauf begegnest Du, glen, ihm mit Beispielen aus dem Personalwesen?! Auch Deine anderen Vergleiche beziehen sich immer auf Großkonzerne und/oder Dax30-Unternehmen. Auf den ersten Blick liegt der Vergleich mit der 5*-Hotellerie vielleicht nahe, aber jetzt mal ehrlich - wieviel Dependancen (mit Managerbedarf!) gibt es von BMW und Siemens in Deutschland und wieviel von Hilton und Starwood?! Deshalb ist es insofern nicht off-topic, da der Bedarf an Management-"Handwerkern" viel höher ist ...

Das Gleiche mit Patrick: Du kannst nicht ernsthaft die Anforderungen einer internationalen Luxuskette im aktuellen Boomland Dubai mit der deutschen Hotelmanagementlandschaft vergleichen. Im Moment strömen alle Absolventen von deutschen, indischen, niederländischen, schweizerischen, österreichischen usw. usf. Hotelfach(hoch)schulen nach Dubai! Natürlich kann Jumeirah dann verlangen, dass die Managementtrainees mindestens einen Master haben! Aber das ist doch kein "typisches" Abbild der Hotellerie. Das ist genau das, was ich in meinem letzten Beitrag meinte: Vielleicht sollte erstmal klargestellt werden, von welchen Begriffen und Definitionen wir ausgehen ...

Natürlich habt Ihr beiden Recht: Wenn das Angebot an Personal mit hohem Bildungsstand da ist, können die Unternehmen ihre Anforderungen sehr hoch ansetzen! Das fing vor ein paar Jahren mit der Ausbildung und dem Überangebot an Abiturienten an und trifft mittlerweile die Hotelbetriebswirte im mittleren Management. Aber selbst hier nehme ich doch lieber einen Studierten mit der Berufserfahrung, als einen reinen College-Abgänger ... Ihr beide versprecht Euch aufgrund Eurer Abschlüsse einen schnellen Einstieg ins Management. Sicher ist das möglich, aber genauso wie Kandidaten mit geringeren Abschlüssen ausgeschlossen werden, "verliert" Ihr gegen Kandidaten mit demselben Abschluss und der Berufserfahrung.

Letztendlich ist das Angebot an Hotels (allein im 4*-5*-Bereich) in Deutschland und der Welt so groß, dass die Ansprüche, wie Du, glen, sie in der Industrie siehst, m.E. nie auf die Hotellerie übertragen werden können. Nimm allein die Kosten, einen "Studierten" anzuwerben, einzulernen (ganz abgesehen von seinen überzogenen Gehaltsvorstellungen) im Gegensatz zu internen Karriereleitern, bei denen berufserfahrenen Kräften mit Engagement und Dankbarkeit eine Chance gegeben wird.
Und deshalb wird es nachwievor Chancen für reine "Hocharbeiter" geben. Natürlich sollten die sich weiterqualifizieren, um sich am Markt behaupten zu können, aber den reinen Vorteil von Studierten sehe ich nicht. Wie gesagt: Immer die Relationen und Ziele im Auge behalten ;)

Außerdem bestreite ich vehement, dass Deutschland mit seiner dualen Ausbildung als "letzte Bastion für Nicht-Akademiker" gilt. Die deutsche Ausbildung ist weltweit sehr hoch angesehen! Arbeitgeber rund um die Welt reißen sich um deutsche Arbeitskräfte - auch in der Hotellerie! Natürlich werden auch hier die Chancen des Einzelnen mit einem Studium erhöht. Aber: Ich habe im Ausland Hotelfach(hoch)schulabgänger aus allen möglichen Ländern erlebt und kann ehrlich sagen: Gegen einen deutschen Azubi stinken die meilenweit ab! (Ausnahmen bestätigen die Regel)
Sie haben nämlich oft genau das Bild im Kopf, dass hier unterschwellig durchkommt: Ich habe studiert, in bin etwas Besseres, sowas mache ich nicht ... (Das geht auch hintergründig: Ja, ich muss meine 6 Monate Praktikum für mein Studium machen, aber danach bin ich über "Euch").
Lest Euch auf der anderen Seite die Stellenanzeigen für Management-Einstiegspositionen durch: "Hands-On-Mentalität" wird recht oft verlangt.
Vielleicht nicht unbedingt im Ausland, aber ich denke, man kann Deutschland und Ausland nicht unbedingt vergleichen. Im Ausland arbeitet man in den "unteren" Schichten größtenteils mit ungelernten oder angelernten Kräften - in Deutschland gibt es ein Basiswissen/-können und für höhere Positionen muss man sich beweisen. Im Ausland reicht das Degree ;)
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Beitragvon Buffy » Mi Mai 21, 2008 23:39

Bleibt die Frage, wo der Service und die Mitarbeiterführung dann wohl besser sind.....


edit: Und jetzt kommt mir bitte nicht mit dem allseitsbekanntem hochgelobten 7-Sterne Domizil. Denn da sind auch nicht alle Mitarbeiter studiert und haben bestimmt nicht alle ein großes Fachwissen.
Ich muss leider nach Hause - da wartet noch ein Bett voller Arbeit... :D

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Beitragvon Glen » Do Mai 22, 2008 1:59

Vielleicht sollte erstmal klargestellt werden, von welchen Begriffen und Definitionen wir ausgehen.
Richtig. Ich beziehe mich eher auf die internationale Hospitalitybranche, speziell in den typischen Boomländern. Von anderen Regionen hört/liest man ja kaum etwas...

Außerdem rede ich hier von Managementstellen, d.h. Führungspositionen im operativen und später im administrativen Bereich. Jeder Industriekaufmann kann ein guter Sachbearbeiter werden. Und nachdem er jahrelang gute Leistungen gebracht hat, wird er irgendwann vielleicht sogar Gruppenleiter. Aber in vielen Fällen ist dann halt einfach Schluß... (Stichwort "Glass ceiling"). Nicht umsonsten sind Fernstudiengänge und berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten heutzutage so "in".

In bezug darauf begegnest Du, glen, ihm mit Beispielen aus dem Personalwesen?!
Ich habe versucht darzulegen, wie ein typischer Personalbeschaffungsprozess aussieht. Und dabei wird normalerweise zuallererst definiert, welche Anforderungen die zu besetzende Stelle an den Neuen stellt. Da kommt dann ein Zettel oder eine Tabelle bei raus und darauf steht unter Umständen schwarz auf weiß, dass ein Hochschulabschluß für die zu besetzende Stelle vorausgesetzt wird. Punkt.

Je höher die Position, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Hochschulstudium schlicht und ergreifend Pflicht ist, um überhaupt berücksichtigt zu werden. Nicht weil ein akademischer Titel so schön aussieht, sondern weil man der Meinung ist, dass man nur mit einem abgeschlossenen Studium den beruflichen Anforderungen gerecht werden kann. (Ich behaupte nicht, dass das gut ist...) Und da ist es völlig egal, ob die Stelle extern oder intern besetzt werden soll. Die Anforderungen der Stelle, die man ja selbst festgelegt hat, bleiben ja schließlich gleich! Natürlich kann man hier oder da mal ein Auge zudrücken wenn der Bewerber wirklich was auf dem Kasten hat. Aber allzu oft passiert das halt nicht....

Das ist in jeder x-beliebigen Branche so und wird meiner Meinung nach früher oder später auch in der deutschen Hospitalitybranche der Fall sein. International herrschen diese Zustände teilweise ja heute schon.
Sicher ist das möglich, aber genauso wie Kandidaten mit geringeren Abschlüssen ausgeschlossen werden, "verliert" Ihr gegen Kandidaten mit demselben Abschluss und der Berufserfahrung.
100% Zustimmung!
Der Prof. Dr. Dr. XYZ mit 10 Jahren Berufserfahrung im Alter von 29 Jahren ist allerdings äußerst selten :wink:. Mir scheint es, dass in solchen Fällen die akademische Qualifikation höher bewertet wird als die Berufserfahrung. Aber das soll hier nicht das Thema sein...
Und deshalb wird es nachwievor Chancen für reine "Hocharbeiter" geben.
100% Zustimmung. Bill Gates war ein Studienabbrecher!
Natürlich sollten die sich weiterqualifizieren, um sich am Markt behaupten zu können, aber den reinen Vorteil von Studierten sehe ich nicht.
Das behaupte ich so nicht.
Wie du die Titel erlangst und wie du dich fortbildest, das bleibt dir überlassen. Ein intensives Fernstudium kann unter Umständen sogar höher angesehen sein als ein Fulltime-Studium in einer schmucken 3er-WG ohne jede Verantwortung und Verpflichtungen.
Das sollte halt nur mit deinem Alter irgendwie zusammenpassen. Mit 45 Jahren bist du nicht unbedingt der Top-Kandidat für eine Trainee-Stelle :wink:

Ich habe im Ausland Hotelfach(hoch)schulabgänger aus allen möglichen Ländern erlebt und kann ehrlich sagen: Gegen einen deutschen Azubi stinken die meilenweit ab!
Von welchen Arbeiten sprichst du da?
Auch ein Dieter Zetsche (Vorstandsvorsitzender der Daimler AG) "stinkt" im Vertrieb gegenüber seinen Vertriebsinnendienst-Sachbearbeitern "meilenweit ab". Zumal er bei dieser Arbeit ja nicht allzu motiviert wirken dürfte. So what?

[...] in Deutschland gibt es ein Basiswissen/-können und für höhere Positionen muss man sich beweisen. Im Ausland reicht das Degree ;)
In Deutschland ist die Lage ja eh wesentlich angespannter als im Ausland und ein schneller, beruflicher Aufstieg somit relativ schwierig zu bewerkstelligen.

Aber wie gesagt, ein Hochschulstudium erhöht die Karrieremöglichkeiten gegenüber Nicht-Akademikern ungemein. Vielleicht nicht im ersten Jahr (da hat der "reine Praktiker" tatsächlich noch gewaltige Vorteile), vielleicht nicht im zweiten Jahr, aber spätestens nach vier oder fünf Jahren.

Ein Selbstläufer wird das jedoch selbst mit einem Doktortitel nicht und wer nicht richtig arbeiten und sich entsprechend ein- und unterordnen kann/will, der wird es nie zu etwas bringen. Aber ich bin relativ zuversichtlich, dass auch der verblendetste Akademiker irgendwann merken wird (muß!), dass man ihm die Traumjobs nicht hinterherschmeißen wird, nicht einmal in Dubai! :roll: :wink:

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Beitragvon Alex » Do Mai 22, 2008 2:49

Richtig. Ich beziehe mich eher auf die internationale Hospitalitybranche, speziell in den typischen Boomländern. Von anderen Regionen hört/liest man ja kaum etwas...
Darauf bezog sich aber m.E. der Ursprungsbeitrag (à la "für Abiturienten automatisch Management-Möglichkeiten") und dessen entsprechende Antworten.
Nicht umsonsten sind Fernstudiengänge und berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten heutzutage so "in".
Das wird auch jeder engagierte und ehrgeizige "Facharbeiter" gern wahrnehmen ...
In bezug darauf begegnest Du, glen, ihm mit Beispielen aus dem Personalwesen?!
Ich habe versucht darzulegen, wie ein typischer Personalbeschaffungsprozess aussieht.
Im Vertrieb kommt man nicht weit ohne Verkaufstalent und im Personalwesen kommt man nicht weit ohne Menschenkenntnisse. Beides kann man nicht studieren. Nichtsdestotrotz haben (fast) alle Personalreferenten bei BMW oder der Deutschen Bank und (fast) alle Vertriebsvorstände der DAX-30-Unternehmen studiert, viele haben sogar nen Doktor.
Ich bezog mich eher darauf ... ;)
Der Prof. Dr. Dr. XYZ mit 10 Jahren Berufserfahrung im Alter von 29 Jahren ist allerdings äußerst selten :wink:. Mir scheint es, dass in solchen Fällen die akademische Qualifikation höher bewertet wird als die Berufserfahrung. Aber das soll hier nicht das Thema sein...
Aber genau das ist das Thema! Es geht um genau die Jahre Berufserfahrung im mittleren Management, die man austauscht ...
Soll man nach 3 Jahren Ausbildung (also mit 21/22) studieren und kann man wirklich danach (mit 25) Outletmanager bzw. F/O.Manager werden oder ist das Gleiche zu erreichen mit 1,5 Jahren F/O-Mitarbeiter(Demi-Chef) und danach 1,5 Jahren Shiftleader (Chef-de-rang)?!
Das ist genau mein Punkt! Das mittlere Management ist immer noch erreichbar. Ab Revenue-Manager oder Assistant-F&B usw. wird es zugegebenermaßen mittlerweile schwierig.
100% Zustimmung. Bill Gates war ein Studienabbrecher!
Die berühmten Ausnahmen ... Bill Gates und Conrad Hilton meinte ich eigentlich nicht, als ich "Hocharbeiter" anführte ... ;) Ich denke die Zeiten sind vorbei - *leider*
Ich habe im Ausland Hotelfach(hoch)schulabgänger aus allen möglichen Ländern erlebt und kann ehrlich sagen: Gegen einen deutschen Azubi stinken die meilenweit ab!
Von welchen Arbeiten sprichst du da?
Auch ein Dieter Zetsche (Vorstandsvorsitzender der Daimler AG) "stinkt" im Vertrieb gegenüber seinen Vertriebsinnendienst-Sachbearbeitern "meilenweit ab". Zumal er bei dieser Arbeit ja nicht allzu motiviert wirken dürfte. So what?
Ich spreche von der Einstellung! :)
Unabhängig vom Können und Wissen ist die Dienstleistungsbereitschaft deutscher Azubis bei weitem höher, als die von ausländischen Hotelmanagementschülern ... believe me ;) (3 Jahre Praxis gegen 0,5 Jahre ...)
Und auch hier: Ich betrachte es als existenziellen Nachteil, wenn Herr Zetsche beim Vertrieb seiner Produkte nicht motiviert ist ... inbesondere, wenn es bei seiner Marke mehr als ein, zwei Konkurrenten mit dem gleichen Angebot gibt ... 8)
[...] in Deutschland gibt es ein Basiswissen/-können und für höhere Positionen muss man sich beweisen. Im Ausland reicht das Degree ;)
In Deutschland ist die Lage ja eh wesentlich angespannter als im Ausland und ein schneller, beruflicher Aufstieg somit relativ schwierig zu bewerkstelligen.
Darum dreht sich aber m.E. der Ursprungsbeitrag und die entgegnete Empörung. Womit wir wieder bei den Diskussionsgrundlagen/-definitionen wären ;)
Aber wie gesagt, ein Hochschulstudium erhöht die Karrieremöglichkeiten gegenüber Nicht-Akademikern ungemein. Vielleicht nicht im ersten Jahr (da hat der "reine Praktiker" tatsächlich noch gewaltige Vorteile), vielleicht nicht im zweiten Jahr, aber spätestens nach vier oder fünf Jahren.
Und wo genau siehst Du jetzt den Vorsprung? 4-5 Jahre Studium (lass es meinetwegen mit dem Aufstieg nur 2-3 Jahre sein) mit allen Kosten gegenüber dem gleichen Ergebnis und unterm Strich 2-3 Jahre mehr Gehalt ...
Ein Selbstläufer wird das jedoch selbst mit einem Doktortitel nicht und wer nicht richtig arbeiten und sich entsprechend ein- und unterordnen kann/will, der wird es nie zu etwas bringen. Aber ich bin relativ zuversichtlich, dass auch der verblendetste Akademiker irgendwann merken wird (muß!), dass man ihm die Traumjobs nicht hinterherschmeißen wird, nicht einmal in Dubai! :roll: :wink:
100% Zustimmung! :lol:
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Beitragvon Glen » Do Mai 22, 2008 10:36

Darauf bezog sich aber m.E. der Ursprungsbeitrag (à la "für Abiturienten automatisch Management-Möglichkeiten") und dessen entsprechende Antworten.
[...]
Darum dreht sich aber m.E. der Ursprungsbeitrag und die entgegnete Empörung. Womit wir wieder bei den Diskussionsgrundlagen/-definitionen wären ;)
Stimmt, da habe ich ein bißchen viel in einen Topf geworfen.

Von Privilegien für Abiturienten halte ich übrigens überhaupt nichts. Ein Akademiker ist in gewisser Weise "privilegiert", was seine späteren Karriechancen angeht. Aber das hat logisch nachvollziehbare Gründe. Beim Abiturienten sehe ich diese Gründe nicht.

Das wird auch jeder engagierte und ehrgeizige "Facharbeiter" gern wahrnehmen ...
Ja natürlich. Damit habe ich überhaupt kein Problem.
Im angelsächsischen Bildungsraum hat man ja an vielen Unis die Möglichkeit, ohne Highschool-Abschluß aber dafür mit 3-5 Jahren Arbeitserfahrung ein Studium zu beginnen. Früher oder später wird das hoffentlich auch an deutschen Unis/FHs so kommen.

Das ist genau mein Punkt! Das mittlere Management ist immer noch erreichbar. Ab Revenue-Manager oder Assistant-F&B usw. wird es zugegebenermaßen mittlerweile schwierig.
Es geht ja beim Studium um die langfristige Verbesserung seiner Berufschancen. Und es geht darum, dass man bessere Möglichkeiten hat, irgendwann mal das machen zu können, was man machen möchte.
Auch du hättest sicherlich keine Lust, dir mit 35 Jahren an einer Glaswand die Nase platt zudrücken und dabei zuschauen zu müßen, wie es bei einem (recht großen) Teil deiner studierten Altersgenossen weiter nach oben geht während du stagnierst.
Das war in der deutschen Hospitalitybranche vielleicht bisher noch nicht so der Fall ("letzte Bastion für Nicht-Akademiker"), wird aber in Zukunft kommen. (*)
Unabhängig vom Können und Wissen ist die Dienstleistungsbereitschaft deutscher Azubis bei weitem höher, als die von ausländischen Hotelmanagementschülern ... believe me ;) (3 Jahre Praxis gegen 0,5 Jahre ...)
Gut, das muß ich dir glauben und tue es auch gerne.
Über ausländische Hotelmanagementstudiengänge müßte man evtl. gesondert diskutieren. Es soll nicht überheblich wirken, aber ich glaube nicht, dass ein mexikanischer oder indonesischer Student an einem "nicht-elitären" College/Uni großartig mehr lernt als ein deutscher Berufsschüler. Das mag unter anderem ein Grund dafür sein, warum deutsche HoFas denen in vielen Belangen überlegen sind (aber aufgrund des fehlenden Bachelor-Titels trotzdem benachteiligt werden...).
Und auch hier: Ich betrachte es als existenziellen Nachteil, wenn Herr Zetsche beim Vertrieb seiner Produkte nicht motiviert ist ...
Natürlich möchte er seine Produkte vertreiben.
Aber von der Arbeit im Vertriebsinnendienst hat er keine Ahnung und ist dort auch völlig unterfordert. Folglich wird seine Motivation merklich sinken. Persönlich konnte ich bei meinen früheren Ferienjobs am Fließband auch keinen besonderen Ehrgeiz, die Arbeit besonders gut machen zu wollen, feststellen.
Bei einem ambitioniertem Studenten könnte in den "unteren Ebenen" ein ähnlicher Effekt eintreten. Das ist einfach nicht die Art von Arbeit, für die er studiert hat. Außerdem weiß er wahrscheinlich nur zu gut, dass er das nicht ewig machen muß.
Sollte man ihm deswegen gleich den Stempel "untauglich für das Hospitalitymanagement" aufdrücken?

[Nachtrag: Ich behaupte nicht, dass das in jedem Einzelfall zutrifft. Das kannst du sicherlich besser beurteilen. Aber man sollte es zumindest mal in Erwägung ziehen, dass der ambitionierte Hotelmanagement-Student beim Kellnern deutlich unterfordert sein könnte.]

Und wo genau siehst Du jetzt den Vorsprung? 4-5 Jahre Studium (lass es meinetwegen mit dem Aufstieg nur 2-3 Jahre sein) mit allen Kosten gegenüber dem gleichen Ergebnis und unterm Strich 2-3 Jahre mehr Gehalt ...
Das ist natürlich hochinteressant. Natürlich gibt es nach dem Studium die absoluten Überflieger. Über die brauchen wir nicht zu diskutieren.
Aber lohnt es sich für einen "normalen" Studenten, auf 3-5 Jahre Gehalt und Arbeitserfahrung zu verzichten?
Ich sage ja! Subjektiv und objektiv (Statistiken etc.) muß ich diese Frage eindeutig bejahen.
Hier eine Studie zu diesem Thema

Im Ausland dürfte das noch deutlicher zutreffen. Denn das "Zwischending" zwischen Hilfsarbeiter und Akademiker, die duale Ausbildung, gibt es ja nur im deutschsprachigen Raum.



(*) Das Verständnis von (höherer) Bildung wird sich jedoch in den nächsten Jahren ändern.
Du störst dich wahrscheinlich an der Arroganz, die viele Akademiker den Nicht-Akademikern entgegenbringen. Vor allem in Deutschland sehe ich zudem auch eine gewisse Arroganz und Ignoranz gegenüber "ungewöhnlichen" Bildungswegen.
In Deutschland war der klassische Werdegang einer künftigen Führungskraft jahrzehntelang wie in Stein gemeißelt: Abi -> Studium -> evtl. Promotion -> Karriere.. Doch diese Idylle bröckelt gewaltig. Da gibt es heute schon in Holland oder England Unis, an denen man auch ohne Abi (aber mit Arbeitserfahrung) seinen Bachelor, seinen Master und evtl. sogar den Doktor machen kann. Da gibt es den MBA (Master ob Business Administration), für den in vielen Fällen Arbeitserfahrung Pflicht ist. Da gibt es Abendkurse, Fernstudiengänge, berufsbegleitende Präsenzstudiengänge und und und....

(Weiter-)Bildung ist wichtig, kann aber jederzeit erworben werden, da gibt es keine Altersgrenze. Bildung ist eine lebenslange Angelegenheit. Das Kastensystem soll mal schön in Indien bleiben... :wink:


Und eines kann ich nicht oft genug wiederholen: Auch für Hochschulabsolventen (egal in welchem Alter) wird "Karriere machen" kein Selbstläufer! Die Chancen, "Karriere zu machen" steigen gewaltig. Mehr nicht.

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Re: Zukunft deutscher und internationaler Hotelfachschulen

Beitragvon Kai » Fr Mai 23, 2008 0:18

Sorry, bin total müde und kann jetzt nicht den (oh mein Gott!) ellenlangen Thread durchlesen. Nur soviel erstmal:
Auch das mit der Einteilung der Sterne, warum kann ein Realschüler in einem 5 Sterne Haus nicht am Empfang arbeiten oder sogar Empfangchef werden? Auswendig lernen zeugt nicht von sehr viel Intelligenz.. Es ist schön das du dir viel Mühe gegeben hast um dein Abi zu bestehen.
Das ist nicht meine Einteilung. Das ist - zumindest scheint es mir so - die Realität. Ich kenne weder in meinem Hotel, noch in meiner Berufsschule jemanden ohne (Fach)Abi in der 5-Sterne-Branche. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber unterm Strich ist es nun mal so, wie ich es oben beschrieben habe. Was natürlich nicht heißt, dass ...
Ich liebe meinen Beruf wahrscheinlich genauso wie du und warum soll ich dann weniger eine Chance haben? Oder meinst du das Hauptschüler/Realschüler, dieses nicht fühlen können? Weil man kein Abi hat? Sehr magere Ansicht. Oder ich verstehe deine Aussage doch nicht!
... man dadurch später geringere Chancen hat. Das ist ja der große Vorteil an der Hotellerie. Leider wird es allerdings in Stellenbeschreibungen so propagiert, dass man z.B. für ein 5-Sterne-Hotel Erfahrung in der 5-Sterne -Hotellerie haben sollte. Ja super - Teufelskreis, wenn man nicht gleich von Anfang an dort war! Denn das habe ich - ich weiß nicht wiiee oft gelesen!

Hier ist - Gottseidank - die Realität anders. Man muss sich einfach bewerben und im Vorstellungsgespräch überzeugen.

Allerdings ist dann hier auch Schluss, sprich studieren wird eher schwerer, oder man sammelt jahrelange Berufserfahrung und lässt sich dann mit Anfang / Mitte / Ende 30 noch auf ein Studium ein, und das geht auch nicht bei allen Weiterbildungen dass man sich mit Berufserfahrung für einen Studienplatz qualifizieren kann.

Viele Grüße,
Kai :)


Update:

Ich persönlich hatte im Übrigen keinerlei Probleme mit meinem Abi (BW). Soviel Freizeit werde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr haben.
"Probleme" gab es bei mir auch nicht. Und ich kann auch sagen, dass ich unterm Strich eine Menge Freizeit im Vergleich zu heute hatte. Es war bisher die beste Zeit meines Lebens. Aber, ich muss auch sagen, es war jetzt kein Fingerschnipsen und ein ordentliches Abi wollte ich schon haben.
Für einen Karrieraufstieg sind Titel wichtig! Wer verantwortungsvolle Positionen erlangen möchte, muß Bildung vorweisen können! Wer ins mittlere/höhere Management möchte, muß studiert haben! (Auch hier bestätigen Ausnahmen immer wieder die Regel).
Zumindest auf internationaler Basis sehe ich dies genauso.
Von den Hotelfachschulen halte ich genausoviel wie von irgendwelchen IHK- oder VWA-Lehrgängen: Nichts. (...) International -und die Hospitalitybranche ist international!- kann man mit dem Zeug eh nichts anfangen.
Hm, wenn du nun die klassischen Hotelfachschulen mit St. gepr. Betriebswirt meinst ... teilweise werden diese mit der obligatorischen vorangegangenen Berufserfahrung dem Bachelor gleichgestellt. Die WIHOGA z.B. arbeitet mit der Johnson & Wales Uni zusammen, wo man anschließend in 1 Jahr den MBA machen kann.
Generell jedoch ist ein Bachelor vorteilhafter, da muss ich dir Recht geben.
Bildung macht sich über kurz oder lang immer bezahlt!
*unterschreib*

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Beitragvon Kai » Fr Mai 23, 2008 20:37

Kai, genaugenommen hast Du nur in Deinem letzten Beitrag beurteilt und ich kann in Deinem Interesse nur hoffen, dass ich das entweder falsch aufgefasst habe oder Du diese Meinung in den nächsten zwei Jahren ändern wirst.
Darf ich fragen, wo genau ich beurteilt habe?
Ich weiß gar nicht, was Ihr wollt: Es gibt eine Hotelmanagement Ausbildung in Deutschland!
Meines Wissens aber nur im Südwesten?! Leider unterstützen es nicht alle Hotels, und man kann sich die Berufsschule, die diesen Lehrgang anbieten, nicht aussuchen wie z.B. eine Uni für's Studium. Aber inhaltlich kommt das schon dem was ich mir vorstelle sehr nahe, leider hat es sich noch nicht überall durchgesetzt.
Und das was ich besonders an meiner Berufsschule sehe, ist ein sehr trauriges Bild. Es kann einfach nicht sein, dass jeden Schultag alle meiner Kollegen (sie haben alle Abi - dies nur als Anmerkung!) stöhnen und einfach nicht fassen können, was ihnen da als Unterricht serviert wird.
Rein Studierte bringen diese Erfahrung nicht mit und das Fakt.
Dem stimme ich zu. Ausbildung ist für den Einstieg in der Hotellerie noch da A und O.
Denn wenn man in die 5 Sterne Hotellerie nur mit Abi reinkommen wuerde, wer macht dann die vermeindlich nicht so beliebten Arbeiten (Spuele, Zimmerputzen, Service, Technik)? Kein Abiturient wird sowas lange machen wollen, oder ueberhaupt!
Um Manager zu werden sollte man diese Abteilungn definitiv kennengelernt haben. Aber es ist doch nachvollziehbar, dass man für's hauptberufliche Spuelen / Kellnern etc. kein Abi braucht.
Wenn ein Abiturient nicht bereit ist, für einen Gast das Zimmer zu putzen, dann hat er in der Hotellerie absolut gar nichts zu suchen. Und ich bin mir sicher, dass mind. 90% der Hoteldirektoren meine Meinung bestätigen werden!
Wie gesagt, dass sollte man auf alle Fälle gemacht haben! Aber ich denke es ist nicht notwendig, das jahrelang machen zu müssen. Außerdem zielte dieser Thread anfänglich auch eher auf den theoretischen Teil der Ausbildung ab.
Kein Hotel wird einen 23jährigen als Sales-Manager einstellen, nur weil er irgendein Diplom hat.
Hier denke ich auch, wird man egal welche Vorbildung man hat als Coordinator eingestellt, also unterste Stufe. Wie schnell man sich dann hocharbeitet, liegt an der eigenen Leistung.
Kai, versteh mich bitte nicht falsch - ich möchte Dir garantiert keine Qualifikation absprechen - aber die pauschale Einschätzung, dass Abiturienten generell besser sind (oder bessere Chancen verdienen), ist Blödsinn.
Ich pauschalisiere weder dass Abiturienten gleich besser sind noch dass alle Abiturienten Interesse an einer Management-Ausbildung haben. Sicherlich gibt es solche die sich stark engagieren und denen etwas mehr theoretische Forderung gut tun würde - allein schon deswegen, dass sie das für's Abi hart erlernte Wissen, allem voran Fremdsprachen, nicht gleich wieder verlernen!

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Beitragvon RegiNase » So Jun 01, 2008 12:21

Uff, jetzt habe ich mir alle Beiträge hier durchgelesen und muss sagen, ich weiß gar nicht mehr so recht, was ich denken soll und was nicht. Ich weiß auch nicht, ob alles, was folgt, genau zum Thema passen wird, aber das Thema ist hier eh etwas...sagen wir...wechselhaft :)

Mein Senf dazu ist, dass ich seit einigen Monaten nach einer Stelle für die Zeit nach meinem Abschluss suche (duales Studium mit Dipl. Betriebswirt & HoKa). Dabei schaue ich mich nach Traineestellen, Assistantstellen (vielleicht ein bisschen abgehoben, aber ein Versuch kann ja nicht schaden) usw welweit um. Fast überall musste ich lesen, dass ein abgeschlossenes Studium sowie Berufserfahrung erwartet wird.
Da kann ich mir gut vorstellen, dass es ab einer gewissen Position schwierig für Haupt- und Realschüler wird, sich weiter nach oben zu arbeiten. Vor allem, da immer mehr Studiengänge in dem Bereich angeboten werden.
Ich stimme voll und ganz denen zu, die sagen, praktische Erfahrung in dem Bereich sei essentiell. Bei uns sind immer wieder Praktikanten von "normalen" Hochschulen, die ihr Pflichtpraktikum, das höchstens 0,5 Jahre dauert, bei uns absolvieren. In der Zeit bekommt man einen groben überblick, aber keinen tiefen Einblick ins Geschehen. Daher halte ich ein duales Studium nun noch mehr als zu meiner Anfangszeit für eine super Möglichkeit, in kurzer Zeit so viel wie möglich mitzunehmen. Nicht jeder hat nach 3 Jahren IHK Abschluss und Dipl bzw B.A.
Nun habe ich mir mal den Spaß gemacht und ausgerechnet, wie viel Zeit ich (als Studentin) und unsere HoKa Azubis (gute Realschüler) in den 3 Jahren wirklich im Hotel arbeiten. Bei mir sind es 82 Wochen (plus 3 Monate Dipl.Arbeit, aber das ist ja eher Recherche als "richtige" Arbeit), bei den Azubis 104 Wochen und ich glaube nicht, dass mir etwas fehlt. Ich war nicht 6 Monate im Service, sonden nur 4, nicht 3 Monate im Housekeeping, sondern 1,5... Trotzdem kann ich einspringen, wenn jemand fehlt und weiß, was in den Abteilungen passiert.
Ich habe auch festgestellt, dass sich die Azubis von der Hauptschule und Realschule in den mehr theoretischen Abteilungen (z.B. ganz allgemein Buchhaltung) oft schwerer tun. Auch aus diesen Erfahrungen heraus, denke ich, dass ein Abiturient es auf dem Weg nach ganz oben (GM, Direktor etc.) und allgemein in den Administrativen Bereich leichter haben wird.
Es hat nie jemad daran gezweifelt, dass Soft Skills sehr wichtig sind, aber sie sind nicht alles und irgendwann reicht ein guter Service am Gast nicht mehr zum weiteren Aufstieg. Es gibt ja nicht umsonst die verschiedenen Schularten und Abschlüsse. Dem einen liegt dies, dem anderen liegt jenes besser. Das hat nichts mit abwerten oder in Schulbalden stecken zu tun, aber wieso hat jemand einen Hauptschulabschluss und kein Abi oder umgekehrt?!

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Beitragvon Kai » So Jun 01, 2008 15:23

Wenn ich mir internationale Stellenanzeigen durchlese, dann sehe ich auch, dass da immer was von "Studium" steht.

Leider bewegen sich die allermeisten Berufsschulen - im Gegensatz zu den Städten und den Hotel(ketten) - nicht in Richtung Internationalität. Und diejenigen, die es tun, kann man sich ja (leider) nicht einfach so aussuchen. Ein bürokratischer/regionaler/administrativer Schwachsinn.

Ich denke, dass ein GM auf alle Fälle wissen muss wie hart die Arbeit im operativen Bereich ist. Bei den internationalen FHs (z.B. Bad Honnef) sehe ich das Problem, dass man nicht genug Einblick bekommt. Momentan sehe ich Ausbildung plus 1 - 2 Jahre Berufserfahrung plus anschließendes Studium als einen super Weg an. Und dabei kann man die Ausbildung um 1 Jahr verkürzen, und mit der Berufserfahrung das Studium (viele Unis in der Schweiz und in den Niederlanden bieten Studienverkürzungen um bis zu 2 - 2,5 Jahre an!) und dann hat man unwesentlich mehr Zeit investiert als in ein Bachelor-Studium und mehr Erfahrungen gesammelt. Zumindest sehe ich dies als den für mich zum momentanen Zeitpunkt passenden Weg an.

BA-Studiengänge finde ich auch sehr interessant. Sowohl für Berufseinsteiger als auch als Aufbaustudium.

RegiNase, ich gebe dir absolut recht, dass du nichts verpasst hast! Ich sehe die Ausbildung als eine super Chance, die verschiedenen Bereiche des Hotels kennenzulernen, da ich weiß, dass man für eine Event-Sales-Stelle viel mehr Chancen hat, wenn man Banketterfahrungen gesammelt hat, u.a. Ich bin mir auf der anderen Seite sicher, dass ich nach der Ausbildung nicht im Service oder im Housekeeping arbeiten werde. Aber ich will die Erfahrungen dort unbedingt sammeln. Als Manager - egal in welcher Abteilung - wird mir das auf alle Fälle helfen UND die Ausbildung ist auch eine Art Lebensschule.

100%perfekt ist die Ausbildung für mich jedoch doch nicht - Faktor Berufsschule! Dies war auch einer der Gründe, warum ich diesen Thread gestartet habe.
Es gibt ja nicht umsonst die verschiedenen Schularten und Abschlüsse. (...) Das hat nichts mit abwerten oder in Schulbalden stecken zu tun, aber wieso hat jemand einen Hauptschulabschluss und kein Abi oder umgekehrt?!
Genau DAS sollte auch meine Aussage sein, auch wenn sie vielleicht falsch rübergekommen ist.[/quote]

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Beitragvon Sayuri07 » Mo Jun 02, 2008 20:34

hey Patrick333

hab gar nicht weitergelesen, als du sagtest
'das Abi heut zu machen viel zu einfach!!!!!!!'

ich bereit grad mein abi (baccalaureat) vor, in der europaschule, und du kannst mir glauben, es ist NICHT einfach!!! ich hab danach eine europäisches bac, von daaus weiss ichnciht wie verschieden das ist, aber ich finde es doch ziemlich dreist!!
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Beitragvon Glen » Mo Jun 02, 2008 20:58

// off topic:
hey Patrick333

hab gar nicht weitergelesen, als du sagtest
'das Abi heut zu machen viel zu einfach!!!!!!!'

ich bereit grad mein abi (baccalaureat) vor, in der europaschule, und du kannst mir glauben, es ist NICHT einfach!!! ich hab danach eine europäisches bac, von daaus weiss ichnciht wie verschieden das ist, aber ich finde es doch ziemlich dreist!!
Ich glaube das war ich :wink:

Ich bezog mich ausschließlich auf das deutsche Abitur. Mit Europaschulen habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt.
Ich habe mein Abi in Baden-Württemberg gemacht und hatte wirklich keinerlei Probleme damit. Wer irgendwas zwischen 1 und 1,5 erreichen wollte, der mußte natürlich was tun (aber auch da gab es Ausnahmen). Ich persönlich hatte nicht ganz so ehrgeizige Ziele und betrachte die Oberstufenzeit im Nachhinein als die schönste Zeit meines Lebens.

Heute habe ich wesentlich weniger Freizeit und wesentlich mehr Streß. Ich kann nicht mehr einfach nur den "Tag reinleben" und lerne auf eine Klausur ungefähr soviel wie für alle Abiprüfungen zusammen - und ich habe ca. 5-8 Klausuren pro Semester!

Wenn deine Europaschule auch nur halbwegs mit einem deutschen Gymnasium vergleichbar ist dann darfst du mir eines glauben: so schön wirst du es nie wieder haben! :cry:

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Beitragvon Kai » Do Jun 05, 2008 18:30

Jap, ich kann auch nur sagen, dass die Oberstufe wirklich die bisher beste Zeit meines Lebens war! Es war einfach genial!

Bzgl. "ob das Abi einfach ist", denke ich, sollte man auch unterscheiden, ob es ein Bundesland mit oder ohen Zentralabitur war. Was davon einfacher ist, kann man immer nur individuell sagen, aber es gibt ja z.B. auch immer andere Prüfungen (z.B. war die mündliche Prüfung bei uns in RLP keine Präsentation, und wir hatten 3 Leistungskurse sprich wir mussten auch 3 Abiturarbeiten schreiben und uns nicht nur auf 2 Fächer für den schriftlichen Part vorbereiten!)

Viele Grüße

Kai



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