Was der Gast sieht vs. was wirklich geleistet wird

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lion
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Was der Gast sieht vs. was wirklich geleistet wird

Beitragvon lion » Fr Aug 27, 2010 16:46

Hallo,

ich entschuldige mich gleich schonmal, wenn ich jetzt irgendjemandem auf den Schlips trete.
Wenn ich mich hier im Forum so durchlese, ist die Ausbildung zu Hofa, Hoka, Refa und was es nicht noch alles gibt, ziemlich umfangreich und bestimmt auch nicht immer einfach. Trotzdem ist alles, was ich als Gast normalerweise mitbekomme "Tellertaxi". Aber nur zum Teller kutschieren (und Putzlappen schwingen) braucht es keine drei Jahre Lehre.
Ist das nicht irgendwo - Verschwendung? Ihr lernt so lange, um dann - v.a. die Refas - doch nur Teller von A nach B zu tragen...


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Re: Was der Gast sieht vs. was wirklich geleistet wird

Beitragvon Haze » Fr Aug 27, 2010 20:34

Du siehst es als Gast, ja. Ich seh als Gast sehr viel anderes, wetten?

Wir haben Kontakt mit Menschen, wir sehen die Welt, wir arbeiten geistig wie auch körperlich, wir sitzen uns nicht im Büro den Hintern platt. Wir lernen soviele verschiedene Menschen kennen, hören soviel und haben so tolle Kontakte, wir haben mit unserer Ausbildung soviel Möglichkeiten, sowohl in der Abteilung, als auch mit Engagement und Können schnell einen Führungsposten zu begleiten.

Wenn du in Urlaub fährst, überleg dir vlt, wer dir diesen Aufenthalt schenkt und dir versucht so perfekt wie möglich zu machen... auch wenn es nur das "Tellertaxi" ist, dass dir deine Leibspeise bringt, weil sie weiß, dass du es seit dem Urlaubsbeginn jeden Tag möchtest ;)

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Re: Was der Gast sieht vs. was wirklich geleistet wird

Beitragvon Quin_Tulop » Sa Aug 28, 2010 1:48

Hallo lion,

es kommt immer drauf an wo man sich bewegt.
Sicher ist ein großer Teil der "Tellertaxis" auch ohne Ausbildung möglich einzustellen, keine Frage.
Aber es gibt ja nicht nur die "Gut Bürgerlichen"-Küchen im Dorf nebenan.
Schau dir mal die größeren Hotels in den Städten an, fast jedes hat mindestens 1 Restaurant mit drinnen und sollte das der Fall sein gibt es meist auch eine Weinkarte.
Es bezieht sich ja nicht nur immer aufs Essen, was an sich schon sehr umfangreich ist, denn als "Tellertaxi" musst du ebenfalls wie die Köche die Zubereitung, Bestandtteile und Herkunft kennen.
Wie oft hat man Gäste die sagen:"Oh würde ich gerne Rote Grütze essen, aber die ist ja sicher mit Mehl gebunden" "Nein, unsere ist mit Sago gebunden, also Glutenfrei."
Man muss sich ja mit soziemlich allen Inhaltsstoffen der Waren sehr gut auskennen um Gästen mit Allergien, Unverträglichkeiten oder Diäten bestens beiseite stehen zu können.

Es ist ja nicht nur so, dass man den Teller abholt und in abstellt und später abkassiert, das mag vielleicht auf der Alm mit Linsensuppe so sein, aber jedes "Tellertaxi" im Restaurant sollte dir genau sagen können was er auf der Karte hat, wie es zubereitet wird und welche Inhaltsstoffe es hat und dir ggf. eine Beratung geben können wenn du z.B. Glutenfreie Ernährung brauchst.

Soviel zum Thema Essen.
Wein und Getränke genau das Gleiche, jeder HoFa/ReFa gelernte kann dir genau die Herstellung von Whiske(y), Geisten/Wässern, jegliche Art von Weinen/Süßweinen oder Likören erklären.
Z.B. gibt es zu jedem Süß-/Süd- oder auch Dessertwein (Übrigens alles das Gleiche) eine spezielle Geschichte.

Das sind alles Sachen, die man als Gast nicht mitbekommt, wenn man sich damit nicht auseinandersetzt durch Beratung oder Nachfrage.
Ich finde eine Beratung, seis Speis oder Trank, gehört einfach zu einem netten Abend dazu.
Ich möchte z.B., dass jeder Gast etwas von dem Abend mitnimmt wovon er erzählen kann und so kommt auch der eigene Name in den Umlauf und den Gästen gefällt es, wenn sie nicht einfach nur etwas trinken oder Essen was sie immer essen, sondern mal was Neues ausprobieren, mit ordentlichem Hintergrundwissen was das ist was sie da haben.

Das war jetzt auch nur der F&B Bereich, bei uns HoFas gehts ja noch weiter mit Housekeeping (Hygiene (Textil, Raum, Sanitär), Textilpflege, Instandhaltung, Lagerhaltung, etc.), Rezeption (Rechtsgrundlagen, Vertragsabschlüsse, Adminisrative Tätigkeiten, Vermittlung, Organisation, etc.)

Also ich glaube man stellt sich das von Außen immer so einfach vor, weil man nur immer einen sehr sehr kleinen Teil von dem mitbekommt was das Ganze ausmacht.

Klar hört man das immer wieder, den Begriff "Tellertaxi" und in Massenabfertigung mag das auch stimmen und dafür braucht man dann auch keine Ausbildung, vollkommen korrekt, sehe ich genau wie du, allerdings wenn man etwas in die Tiefe geht wird es echt komplex und ich habe den Vergleich zum Büroalltag, ich habe quasi "Personalkaufmann" gelernt, auch wenn es nur eine Bürokaufmannausbildung war. Allerdings habe ich in einer Extrernen Personalabteilung gelernt, die alle Sachbearbeitung und Administrativen Tätigkeiten einer normalen Personalabteilung übernimmt, nur halt als Outsourcing.
Ich kann durchaus den Vergleich ins Bürostellen und es ist absolut kein Vergleich machbar, denn das eine ist rein Geistig und das andere ist eine starke Paarung aus psychischen und physischen Herausforderungen.

Man kann es auch keinem außenstehenden böse nehmen, wenn er es so sieht, aber ich würde mir gerne einmal eine Kamera an den Kopf schnallen und einen "Tag des Tellertaxis" drehen :mrgreen:

Vielleicht sieht man dann unsere Welt mal etwas anders ;-)

Viele Grüße
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Re: Was der Gast sieht vs. was wirklich geleistet wird

Beitragvon Katzenoma » Sa Aug 28, 2010 17:59

Mal davon abgesehen, das gleiche "Spiel" kann man auch bei zig anderen Berufen anwenden.

Muss ich als Friseurin drei Jahre lang lernen, um Leuten die Haare zu schneiden und hin und wieder mal ein paar Strähnchen zu machen?

Muss ich als Bürokauffrau/mann drei Jahre lang lernen, um in MS Office fit zu sein und ein paar Rechnungen zu kontrollieren?

Ich bin kein Mensch, der sich in einem Restaurant großartige Empfehlungen geben lässt. Dennoch kann ich dir mit großer Wahrscheinlichkeit sagen, ob ich gerade von einer gelernten Kraft oder von einem Studenten bedient werde, der nebenher ein bisschen was dazu verdient.

Sicherlich, man lernt in den drei Jahren bestimmt auch das eine oder andere, was man später nicht wieder braucht. Aber ich hab in 13 Jahren Schule mindestens genauso vieles gepaukt, was später nie wieder zur Anwendung kam und wohl auch nicht mehr kommen wird.

Das liegt aber einfach daran, dass man nach einer Ausbildung als Hofa in jeder Abteilung arbeiten können sollte. Da bleibt es eben nicht aus, dass man, wenn man sich auf eine Laufbahn festgelegt hat, Kenntnisse und Fertigkeiten aus anderen Abteilungen nicht mehr oder in weithaus geringerem Maß braucht.
Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken. (Novalis)


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Re: Was der Gast sieht vs. was wirklich geleistet wird

Beitragvon Andy » Sa Aug 28, 2010 19:11

Ich gebe Katzenoma recht, ich wollte einen aehnlichen BEitrag verfassen...

Was du sicher lernst ist: Umgang mit Menschen (der Schluesselpunkt, der in jedem Geschaeft wichtig ist vom Luftballonverkaeufer ueber den Friseur bis zum Geschaeftsfuehrer...) !!!



Wenn du in ein Hotel/Restaurant gehst und absolut nicht mitbekommst, was eigentlich geleistet wird, dann haben die Leute die es geleistet haben einen Klasse Job gemacht... Siehe die 4 Beispiele:

Hofa 1
Restaurant
Restaurant 2
Hofa2
God gave us two ears and one mouth, and most people haven't taken the hint.

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Re: Was der Gast sieht vs. was wirklich geleistet wird

Beitragvon schuhmi » So Aug 29, 2010 16:09

Hachja, die humorvollen Stellenbeschreibungen laufen einem einfach immer wieder übern Weg:) Und immer wieder amüsant^^

Erst gestern hatte ich wieder n Gast, der meinte "Also mein Respekt was Sie alles können müssen. Egal ob ich bei meinem Safe, meinem Fernseher oder der Minibar Probleme habe. Oder auch nur Auskünfte über die Fährverbindung möchte- Sie wissen einfach immer Bescheid. Wie lange arbeiten Sie denn schon hier? "
3 Monate :D

:super: Für unter anderem solche Momente liebe ich meinen Job.

gastfreundlich grüßt euch schuhmi

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Re: Was der Gast sieht vs. was wirklich geleistet wird

Beitragvon Nicolai » Fr Jan 16, 2015 15:53

Ich finde, es kommt auch auf die persönliche Einstellung zur ausgeübten Tätigkeit an - die kann auch bei ausgebildeten Fachkräften fehlen. Ich habe nach meiner Ausbildung viel von ungelernten Gastronomietätigen gelernt, die allerdings sehr erfahren waren. Ich habe auch schon unerfahrene Schüler und Studenten eingearbeitet, die sich zu sehr guten Mitarbeitern entwickelt haben.



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