"Freundschaftliches" Verhältnis zum Chef - gut oder riskant?

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lion
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"Freundschaftliches" Verhältnis zum Chef - gut oder riskant?

Beitragvon lion » Do Aug 18, 2011 20:25

Hallo,

ich habe da ein kleines „Luxusproblem“.
Seit ungefähr nem halben Jahr arbeite ich als Aushilfe in meinem Bald-Ausbildungsbetrieb. Bisher komme ich mit allen ziemlich gut klar. Jetzt hat mein Chef und Ausbilder mich vor kurzem zu ner größeren privaten Feier eingeladen. Ich hab mich erstmal total drüber gefreut und möchte auch gern hingehen. Ich sollte vielleicht noch dazu sagen, dass ich seine Familie und einige seiner Freunde inzwischen flüchtig kennen gelernt habe.

Inzwischen kommen mir aber so leichte Bedenken. Kurz gesagt: „Du Arschloch“ sagt sich leichter als „Sie Arschloch“ und ich bin mir grad einfach unsicher, ob n zu „freundschaftliches“ Verhältnis so gut ist, nicht, dass mir da mal was rausrutscht oder ich anfange zu diskutieren, weil ich auf manches keinen Bock habe. Und in der Küche wird ja nochmal ne ganz andere Art von Respekt gefordert, als in normalen Berufen...

Öh ja, kann mir da irgendjemand was zu sagen?


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Katzenoma
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Re: "Freundschaftliches" Verhältnis zum Chef - gut oder riskant?

Beitragvon Katzenoma » Fr Aug 19, 2011 15:20

Hallo,

ich glaube, jeder muss selbst entscheiden, wie weit er geht bzw. gehen will.

Hier im Betrieb hab ich ein sehr gutes Verhältnis zum Chef. Man erzählt sich auch mal das eine oder andere private (natürlich nicht zu privat :D ), gibt sich Freizeittips etc.

Ein Kollege von mir geht auch hin und wieder mit ihm joggen. Das würde ich z.B. nicht wollen. Kollegen ja, bei Vorgesetzten (wobei ich derzeit nur den Chef "über mir" hab) kommts drauf an, aber mit dem Chef möcht ich nicht unbedingt meine Freizeit verbringen.

Wenn du hingehst, dann vergiss nicht, dass der Chef auch da ist und trink am besten nichts oder nur wenig. Man muss es ja nicht rausfordern....
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Re: "Freundschaftliches" Verhältnis zum Chef - gut oder riskant?

Beitragvon Sternchen101 » Mo Aug 22, 2011 18:20

Siehs doch mal andersrum: Was passiert, wenn du die Einladung ablehnst?

Er würde es sicher als unhöflich empfinden, was einfach nicht von Vorteil für dich wäre.

Also gehe einfach hin. Schaden kanns ja nicht.

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Re: "Freundschaftliches" Verhältnis zum Chef - gut oder riskant?

Beitragvon lion » Mo Aug 22, 2011 20:17

Huhu,

@Katzenoma

Das klingt super, dass man trotzdem so n Verhältnis zueinander haben kann.
Wegen Alkohol mache ich mir eigentlich keine Gedanken, beim Jubiläum gabs auch schon nachm
Feierabend bissl was und ich kenne meine Grenze glaube ich ganz gut.


@sternchen
Hm, so rum hab ich das noch gar nicht gesehen, ist natürlich n gutes Argument.



So insgesamt gehts mir ja auch eher weniger nur um diese Feier (die ist eher n greifbares Beispiel), sondern um die Gesamtsituation.
Bisher hatte ich mit meinen Chefs nie großartig zu tun und es blieb auch beim "Sie" und lieber Klappe halten als aufmucken.
Aber gleich am ersten Tag das "Du" angeboten zu bekommen, sagen zu dürfen, wenn mir was nicht passt (in angemessenem Tonfall) und mehr zu wissen als "Joah, ich glaube, der hat Familie?!" ist für mich momentan _komplett_ neu.

Nicht falsch verstehen, ich bin echt dankbar dafür, ist nur ne ganz neue Situation.


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Re: "Freundschaftliches" Verhältnis zum Chef - gut oder riskant?

Beitragvon Boogel » Fr Aug 26, 2011 16:21

Hallo lion,

ich muss gestehen, dass meine Erfahrungen diesbezüglich weniger schön waren. Mein Chef und ich waren im selben Alter. Logisch, dass da alles etwas lockerer abläuft. Ich rede nicht davon, dass man nach dem Dienst auch mal noch was zusammen trinken geht. Genau das finde ich, ist doch das tolle an der Gastronomie.

Jetzt kommt das große ABER: Solange wie alles in Ordnung ist, mag das alles schön und gut sein. Aber spätestens wenn es um Urlaubstage, Arbeitszeiten, Überstunden oder Gehalt geht, wird es weniger schön. Überstunden werden dann mit einem kleinen Schulterklopfen oder einem Bierchen abgegolten. Und eh man sich versieht, steckt man in einem Teufelskreis. Menschlich schluckt man das runter, weil einem die Freundschaft etwas bedeutet aber aus Arbeitnehmersicht müsste man sagen: "Nein, so nicht!"

Es ist auch ganz schwer wieder zurückzurudern, wenn eine gewisse Grenze erst einmal überschritten ist. Ich möchte damit keinesfalls ein positives Arbeitsklima in Frage stellen. Es ist toll wenn man sich auf seine Kollegen UND auf seinen Vorgesetzten Freut und sich gut versteht.Auch das "Du" und "Sie" sehe ich da nicht mal als Problem. Aber meiner Meinung nach sollte eine gewisse Distanz zwischen Berufs- und Privatleben immer gewahrt bleiben. Ich bin staatlich geprüfter Betriebswirt für Hotellerie und Gastronomie und ich habe während des Studiums viel über den Umgang mit Personal und Mitarbeitern gelernt.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen. Mach deine Erfahrungen aber vor allem lerne daraus! Wenn du damit gute Erfahrung gemacht hast, dann behalte diesen Kurs bei.

VG aus Leipzig
der Ronny



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